Seit über 20 Jahren ist Nico S. Polizist und von Verletzungen im Dienst weitestgehend verschont geblieben. Das änderte sich jedoch am 3. Juli vor zwei Jahren schlagartig. Es ist ein Montag, gegen 12 Uhr, als bei der Polizei in Bad Segeberg ein schwerer Raub mit Schusswaffe angezeigt wird. Der Täter sei in Richtung Innenstadt flüchtig, so die Info. Der vermeintliche Täter, von dem es eine gute Personenbeschreibung gibt, wird kurz darauf am ZOB in Bad Segeberg gestellt und zunächst festgenommen. Dann gelingt es dem Beschuldigten aber plötzlich, sich den bevorstehenden polizeilichen Maßnahmen durch Flucht zu entziehen. Nico S. nimmt seine Verfolgung sofort auf. Vor einer Betontreppe gelingt es dem Polizeihauptmeister den Flüchtigen einzuholen und an den Schultern zu ergreifen. Dies hindert den Fliehenden nicht, die Treppe trotzdem im Sprint hinunterzulaufen. Mit dem Kopf voraus stürzt der eingesetzte Beamte die etwa zwei Meter hohe Treppe hinunter, prallt mit dem Schädel auf dem Betonboden und verliert die Besinnung. Nachdem die sofort herbeigeeilten Kollegen die medizinische Erstversorgung übernehmen, wird der Beamte in eine Klinik verbracht. „Da hatten meine Kollegen vor Ort schnell reagiert und das Notwendige getan“, zeigt sich der heute 45-Jährige dankbar.
Im Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte bei dem Polizisten ein Schädelhirntrauma, Gesichtsverletzungen, Verletzungen am Knie und am Knöchel. Eine Woche verbleibt Nico S. zur stationären Behandlung im Krankenhaus und ist auch erst nach drei weiteren Wochen wieder dienstfähig. In dieser und auch der kommenden Zeit nach den Geschehnissen habe es ihm nicht an dienstlichen Hilfestellungen und Fürsorge gemangelt, unterstreicht der Streifenbeamte. Aber die Schilderungen dessen, was damals geschah, fallen dem Schutzpolizisten merklich schwer. Auch wenn die körperlichen Verletzungen inzwischen verheilt sind, sind die emotionalen Belastungen bei dem gebürtigen Lübecker auch nach zwei Jahren noch spürbar. „Aber bei mir sind
nie Zweifel an meinem Beruf aufgekommen“, versichert Nico S. Nach seiner Genesung habe er auch wieder „ganz normal“ seinen Streifendienst aufgenommen.
Aus den Händen von Andreas Breitner erhielt der Polizeibeamte für sich und seine Lebensgefährtin den Gutschein für einen 10-tägigen Aufenthalt im bayrischen Bad Tölz. „Es sind exakt derartige Fälle, für die der Polizeihilfsfonds vormals von den Initiatoren ins Leben gerufen worden ist“, zeigte sich Breitner beeindruckt von dem, was der Schutzpolizist schilderte. Polizistinnen und Polizisten im Streifen- und Einsatzdienst würden sich in dieser Gesellschaft täglich und rund um die Uhr für die Sicherheit und Ordnung einsetzen und dafür vielfältige Belastungen hinnehmen, schlimmstenfalls sogar ihre Gesundheit und auch ihr Leben riskieren.
„Wenn sie dann als Repräsentanten des Staates körperlich oder auch seelisch schwer verletzt werden, finden sie unter dem Schutzschirm unseres gemeinnützigen Vereines Platz“, unterstrich Breitner. Die Zuwendung sei eine Anerkennung der Gesellschaft dafür, dass Nico S. in einem Polizeieinsatz zu Schaden gekommen ist“, so Andreas Breitner. Text/Fotos: Thomas Gründemann