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Zwei Polizisten aus Bargteheide und Lübeck erhielten nach schweren Verletzungen im vergangenen Jahr Gutscheine für Kur- und Betreuungsmaßnahmen

Ratzeburg - Im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein 1.480 Gewalttaten gegen Polizistinnen und Polizisten registriert, 453 davon in den Polizeidirektionen Ratzeburg und Lübeck. An 591 Tagen waren polizeiliche Einsatzkräfte als Folge von Gewalteinwirkungen dienstunfähig.

Sergej C. (32) und Michael v. L. (37) gehörten zu den betroffenen Beamten. Sie waren nach gewaltsamen Einsätzen im März und September vergangenen Jahres dabei erheblich verletzt. Mehr als vier Monate waren sie danach dienstunfähig.

Von Andreas Breitner und Karl-Hermann Rehr vom „Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not“ erhielten beide bei einem gemeinsamen Termin bei der Polizeidirektion Ratzeburg Zuwendungen für Kur- und Betreuungsmaßnahmen. „Wir hoffen, dass diese Zuwendung für Sie den positiven Abschluss zu einer schlimmen dienstlichen Erfahrung darstellen. Es ist ein Zeichen gesellschaftlicher Solidarität mit Ihnen als Repräsentanten des Staates. Der Hilfsfonds verfügt vor allem über Spenden von Bürgern, die sich der Arbeit der Polizei verpflichtet fühlen “, sagte Andreas Breitner.

Sergej C. erhielt einen Gutschein für einen 12-tätigen Aufenthalt in Oberbayern. Dem alleinerziehenden Michael v. L. und seinem achtjährigen Sohn ermöglicht der Polizeihilfsfonds einen gemeinsamen 11-tägigen Aufenthalt im CenterParc Allgäu.

Sergej C. ist Angehöriger der Polizeistation Bargteheide. Der 32-Jährige hat am 14. März 2025 Nachtdienst. Es ist noch recht früh in der Nacht, als C. mit einem Kollegen zur Begleitung einer mutmaßlich psychisch kranken Person in einem KTW eingesetzt wird. „Während des Transportes hat der Patient auf der Autobahn versucht, die Tür

des Fahrzeugs zu öffnen und zu flüchten. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern. Ich das Gespräch mit ihm gesucht, aber er hat überhaupt gar nicht reagiert“, schildert C. die Geschehnisse. Von einer auf die nächste Sekunde habe der Mann seinem Kollegen durchs Gesicht gekratzt und wieder in Richtung Autobahn weglaufen wollen. Der war augenscheinlich in einem Ausnahmezustand und nicht mehr steuerbar“, erinnert sich im Austausch mit den Vertretern des Hilfsfonds. Daraus sei dann eine heftige körperliche Rangelei entstanden, in deren Verlauf der renitente Patient zu Boden gebracht werden sollte. „Dabei hat mir der Mann aber mit seinem Ellenbogen so stark in das Schultergelenk gestoßen, dass ich ein Muskelversagen des linken Arms erlitt und starke Schmerzen verspürte“, berichtet. Sergej C. Nachdem der Tatverdächtige schließlich aber doch überwältigt und fixiert werden konnte, sei für ihn ein Krankenwagen angefordert worden. „Zur weiteren ambulanten Behandlung wurde ich nach Hamburg ins Krankenhaus verbracht“, so C. Es folgten weitere Untersuchungen. Die Diagnose: Abriss des linken Brustmuskels. Eine äußerst schmerzhafte und auch langwierige Verletzung. Nach einem zweiten MRT, vom Polizeiarzt veranlasst, folgte eine Operation. Über fünf Monate war der Polizeiobermeister insgesamt dienst- bzw. teildienstunfähig. Seit 2018 ist C. Polizist Ausbildung bewahrt. Es war mich das das erste Mal, dass ich so verletzt wurde bei einem Einsatz“, sagt

Michael v.L. ist Hundeführer bei der Diensthundestaffel in Lübeck und seit 2012 bei der Landespolizei. Auch er schildert seine Geschichte: Am 13. September vergangenen Jahres sei er mit seinem Streifenkollegen zur Unterstützung bei der Polizeistation Bad Schwartau entsandt worden, um die polizeilichen Einsatzkräfte bei Auseinandersetzungen in einer Kneipe zu unterstützen, berichtet der Lübecker Polizist. Eine stark alkoholisierte Person sollte sich dort den Beamten gegenüber sehr aggressiv und renitent gezeigt haben. Nach Klärung des Sachverhalts habe dieser einen Platzverweis erhalten. „Dem ist er jedoch nicht gefolgt und hat sich uns gegenüber weiter äußerst aggressiv gezeigt. Aufgrund der körperlichen Überlegenheit des Mannes habe er sich entschieden, vorsorglich seinen Diensthund dazu zu holen. Der mögliche Einsatz seines Hundes sei dem Mann angedroht worden. Zu dem Zeitpunkt habe der Deutsche Schäferhund jedoch noch den Maulkorb getragen, weil er nur zur Durchsetzung des Platzverweises diente. Dennoch sei der 1.85 Meter große und ungefähr 140 Kilogramm schwere Mann zweimal demonstrativ auf die Beamten zugegangen. „Beide Male habe ich meinen

Diensthund mit dem Beißkorb stoßen lassen. Dann ist es dem Mann beim zweiten Stoß gelungen, meinen Diensthund festzuhalten und ihn zu kneifen. Daraufhin habe ich mich entschieden, den Beißkorb abzunehmen“, so v. L. Eine andere eingesetzte Kollegin habe in der Folge das dienstlich gelieferte Pfefferspray eingesetzt, was allerdings bei dem aggressiven Mann keine Wirkung gezeigt habe.

Letztlich sei es den anderen eingesetzten Kollegen gelungen, den Probanden zu fesseln, um ihn in den Polizeigewahrsam zu verbringen. Aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit, der angespannten Situation und der von ihm ausgehenden Aggressivität, lag er während des Transportes nur bäuchlings im Streifenwagen. V. L. begleitete den Transport im Wagen. Dort sei der Mann aber weiter sehr renitent gewesen, habe gestoßen, getreten, gespuckt und die Beamten beleidigt. Gleichzeitig habe er immer wieder versucht, sich aufzubäumen. Nachdem der Mann in endlich im Gewahrsam untergebracht worden sei, habe v. L. sich seine Handschuhe ausgezogen. „Da ist mir aufgefallen, dass meine rechte Hand ordentlich bläulich verfärbt ist und bin mit meiner Kollegin ins Krankenhaus gefahren. Hier wurde festgestellt, dass der fünfte Mittelhandknochen eine Fraktur aufweist. Es wurde grob geschient. Tags darauf sei er in Bad Schwartau zum Handchirurgen gegangen. „Dieser hat mir nach der Prüfung der Röntgenbilder geraten, mich an der Hand operieren zu lassen“, erinnert sich der Polizeihauptmeister. Eine Woche später erfolgte im Krankenhaus die Operation. „Da habe ich Drahtstifte in die Hand bekommen, um den Finger zu stabilisieren und der Bruch wieder gerade zusammenwächst“, erklärt der Uniformträger. Inzwischen sei bis auf eine kleine Fehlstellung des kleinen Fingers aber alles wieder in Ordnung.

Sergej C. und Michael v. L. zeigten sich bei der Übergabe der Gutscheine sehr dankbar. „Es ist sehr wohltuend, dass Sie beide hier sind und sich unsere Geschichten anhören“, würdigten die beiden Schutzpolizisten den Besuch Andreas Breitners und Karl-Hermann Rehrs.

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