Bad Segeberg/tgr - Seit 42 Jahren ist Stefan D. Polizist und hatte in den Jahrzehnten im Streifen- und Einsatzdienst die eine oder andere brenzlige Situation im Dienst zu bewerkstelligen. Trotzdem blieb der Schutzpolizist – bis auf ein paar kleinere Blessuren - bislang unverletzt. Gut zweieinhalb Jahre vor seiner anstehenden Pensionierung aber zog sich der Beamte erstmals im Einsatz eine erhebliche Verletzung zu.
Am 22. Januar dieses Jahres ist der gebürtige Flensburger beim Polizeiautobahnrevier Segeberg im Dienst, als in der Nacht die Alarmanlage eines in der Innenstadt gelegenen Juweliergeschäfts einen Einbruch meldet und damit sowohl die polizeiliche Alarmierung als auch eine Fahndung auslöst.
Stefan D. wird gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen mit der Verfolgung der flüchtigen Täter beauftragt. Gedankenschnell platziert sich Stefan D. hinter einen Sichtschutz in der Annahme, dass einer der davonlaufenden Täter auf seiner Flucht diese Stelle passieren müsste. Der Einsatzbeamte soll Recht behalten. Es gelingt ihm, den mindestens dreißig Jahre jüngeren und aggressiven polnischen Täter zu fassen.
Anerkennend äußerte sich später D. Vorgesetzter zum Vorgehen des Schutzpolizisten. D. habe sich bei der Einsatzwahrnehmung pflichtbewusst und vorbildlich verhalten. Dabei hebt er das Vorgehen des Streifenbeamten heraus, sich bei dem heiklen Einsatz einen strategisch günstigen Standort für die Festnahme des herannahenden Täters gesucht und einen beherzten Zugriff vorgenommen zu haben. „Dabei war D. bewusst, dass derartige Festnahmen auch zu eignen Körperschäden führen können“, stellt der Stellvertretende Revierleiter/ Führungsbeamte fest.
Bei der Ergreifung des polizeilich bereits häufiger in Erscheinung getretenen und gewaltbereiten Mannes hat sich D. nämlich einen doppelten Bänderriss zugezogen,
wie eine MRT-Untersuchung tags darauf ergibt. Drei Monate ist Stefan D. anschließend dienstunfähig.
„Zuerst hatte ich keine Schmerzen verspürt, wohl auch, weil ich so unter den Eindrücken des Einsatzgeschehens stand. Ich war einfach voller Adrenalin“, erinnert sich der Polizeihauptmeister. Er habe den heftigen Widerstand leistenden Beschuldigten sogar noch ins Krankenhaus begleitet.
Bei der späteren Gerichtsverhandlung wird der Beschuldigte rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt. Nicht nur wegen des Einbruchs, sondern vor allem auch wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
Gut sieben Monate später nach dem Einsatz, die Verletzung ist weitestgehend verheilt, erhält Stefan D. aus den Händen von Andreas Breitner, dem Vorsitzenden des Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not, für sich und seine Lebensgefährtin den Gutschein für einen 7-tägigen Erholungsaufenthalt im Allgäu.
„Dieser Sachverhalt unterstreicht noch einmal die vielfältigen Gefahren, denen Polizistinnen und Polizisten im Einsatz ausgesetzt sein können“, sagt Andreas Breitner. Die unberechenbare Gefahr sei ständiger Wegbegleiter der Beamtinnen und Beamten im Streifen- und Einsatzdienst. Dies habe vor allem die Tötung eines 34-jährigen saarländischen Polizisten und zweifachen Familienvaters am 21. August in Ausübung des Dienstes auf tragischste Art und Weise vor Augen geführt, so der ehemalige Innenminister.
„Die Polizistinnen und Polizisten tragen als Repräsentanten des Staates ihre Haut rund um die Uhr buchstäblich zu Markte. Sie müssen deshalb auf die uneingeschränkte gesellschaftliche Solidarität vertrauen können“, stellt Andreas Breitner fest.
Die Zuwendungen des Hilfs- und Unterstützungsfonds an Beamtinnen und Beamte, die im Dienst körperlich oder seelisch zu Schaden gekommen sind, seien ein Zeichen der Anteilnahme und Verbundenheit.
Bei Stefan D. ist die Intention des karitativen Fonds angekommen. „Ich freue mich sehr über die Initiative des Polizeihilfsfonds. Damit habe ich nicht gerechnet“, strahlt Stefan D. bei der Übergabe. Neben Karl-Hermann Rehr, Schatzmeister des „HUPF“, teilen Thilo Böhm (Stellvertretender Revierleiter), der Personalratsvorsitzende Torben Steckel sowie seine Revierkollegen Stefan Scholz und Rüdiger Pastrik die Freude des 59-jährigen Streifenbeamten.