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  • Brutale Attacke auf Scharbeutzer Polizistin endet mit Oberkieferbruch und Freispruch für die Angeklagte
  • Polizeihilfsfonds ermöglicht Beamtin Kur- und Erholungsaufenthalt
Eindrücke der Zuwendungsübergabe durch den HUPF
Eindrücke der Zuwendungsübergabe durch den HUPF

Scharbeutz – Silke Anders ist überzeugte Polizistin. Nach einem gewaltsamen Einsatz Ende Juli vergangenen Jahres, bei der der Beamtin mit einem Fußtritt der Oberkiefer zertrümmert wurde und einem aktuellen Freispruch der Täterin im September ist die Welt aus den Fugen geraten.


Da kam Andreas Breitner als Vorsitzender des „Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not“ mit Schatzmeister Karl-Hermann Rehr und dem Ehrenvorsitzenden Wolfgang Pistol passend. Der ehemalige Innenminister überreichte der 50-jährigen Polizeikommissarin auf der Polizeistation Scharbeutz einen Gutschein für einen Kur- und
Erholungsaufenthalt mit ihrem Mann.


Mit ihrem Sohn an der Seite, erinnerte sich Silke Anders in einem Rückblick an die damaligen, buchstäblich schmerzhaften Geschehnisse.
Eine Polizeistreife war am Abend des 31. Juli vergangenen Jahres wegen einer angeblich verwirrten Frau auf einen Wohnmobilstellplatz gerufen worden. Hier trafen die beiden eingesetzten Beamten, darunter Silke Anders, auf die damals 33-Jährige. Die alkoholisierte Frau, eine zweifache Mutter, saß auf einer Bank und weinte, weil sie ihre Kinder nicht finden könne. Um der
Frau bei der Suche nach ihren Kindern zu helfen, wurde die Wedelerin auf der Rückbank des Kleinbusses platziert. „Dann sind wir mit ihr am Strand entlanggefahren und setzten bei der Suche nach den Kindern sogar den Lautsprecher ein“, so Silke Anders. Und das mit Erfolg: Sowohl Sohn als auch Tochter befanden sich auf einem Spielplatz. Und das im Beisein einer Freundin der
Frau. Jedoch kam es aus unbekannten Gründen zwischen den beiden Freundinnen zu einem heftigen Streit, in dessen Verlauf die alkoholisierte Frau sogar handgreiflich wurde. So blieb den eingesetzten Polizisten nichts anderes übrig, als die renitente Frau in Gewahrsam zu nehmen und nach Lübeck zu verbringen. Auf der Rückbank sitzend, löste die zweifache Mutter auf der Fahrt nach Lübeck immer wieder den Sicherheitsgurt und legte sich hin. Die ihr schräg gegenübersitzende Beamtin Silke Anders appellierte an die widerspenstige Frau, angeschnallt zu bleiben. Mehrfach richtete sie sie sogar auf und schnallte die uneinsichtige Frau wieder an. Dann eskalierte die Situation im Fond des VW-Busses. „Die Augen der Frau wechselten plötzlich von trüb auf klar“, erinnert sich Silke Anders. Unvermittelt sei es der 32-Jährigen gelungen, ihr Bein hochzuziehen und der Polizistin wie eine Kickboxerin mit voller Wucht einen Fußtritt ins Gesicht zu versetzen. Daraufhin sei der Streifenwagen von ihrem Kollegen angehalten worden. In der Folge leistete die Angeklagte weiteren Widerstand, bedrohte und beleidigte weitere herbeigerufene Polizisten. Erst gemeinsam gelang es den eingesetzten Beamten, die heftig um sich schlagende Frau am Boden zu fixieren und zu fesseln. Ein zweiter Streifenwagen brachte die Angeklagte ins Gewahrsam. Aber auch hier tobte die Täterin weiter, tritt mit bloßen Füßen wiederholt ungestüm gegen die Stahltür der Ausnüchterungszelle. Anhand eines Alkoholtests wurde bei der zweifachen Mutter ein Wert von fast 2,3 Promille ermittelt. Und auch Cannabis konnte in der Blutprobe der Angeklagten nachgewiesen werden.

Äußerst schmerzhaft und langwierig sind die Konsequenzen der Attacke für Silke Anders. Die Polizistin hatte durch den Tritt einen Oberkieferbruch sowie die Verletzung eines Fingers der rechten Hand erlitten und musste im Krankenhaus behandelt werden. Vier Monate war die Beamtin dienstunfähig, konnte wochenlang nur Püriertes essen. Auch ein Jahr nach der Tat spürt Anders die Folgen der Tat. „Nicht alles ist verheilt“, sagte sie bei der Übergabe der Zuwendung durch den Hilfs- und Unterstützungsfond der Polizei. So sei der verletzte Finger trotz Operation bis heute unbeweglich, berichtet Silke Anders.


Auch psychisch habe sie das Erlebte weitestgehend verarbeitet. Mit einem Einsatztrainer habe sie die Situation im Streifenwagen noch einmal nachvollzogen. Das Ergebnis sei klar gewesen: „Ich hatte einfach keine Chance. So konnte ich die Schublade schließen und habe Monate gekämpft, um meinen Traumberuf wieder ausüben zu können“, sagt Silke Anders. Und das erfolgreich.
Die Verhandlung vor dem Eutiner Amtsgericht mit dem Freispruch der Angeklagten warf die Polizistin jedoch wieder aus der Bahn. „Da ist die Schublade wieder mit voller Wucht aufgegangen“, sagt die Beamtin. Mit den Anzeichen eines Schlaganfalls wurde sie von einem Notarzt in der Nacht nach der Verhandlung in ein Krankenhaus eingewiesen. „Ich dachte, ich sterbe“, erzählt die Beamtin. Aber im Krankenhaus wird Entwarnung gegeben. „Ich hatte einen psychosomatischen Schock erlitten, war aber gesund“, berichtet Anders. Wenige Tage später bekommt sie aber doch noch einen Hörsturz.

Silke Anders gibt sich kämpferisch: „Ich komme zurück und werde auch weiterhin meinen Beruf ausüben, so wie ich mir das vorstelle. Ich werde in keinem Büro verschwinden. Denn auf der Straße ist mein absoluter Traumjob. Ich bin aus Berufung Polizistin“, sagt die 50-Jährige, die jetzt auch von einer Psychologin unterstützt wird.

Und die Zuwendung mit dem einwöchigen Kur- und Erholungsaufenthalt im Erzgebirge komme genau zum richtigen Zeitpunkt. „Ich bin froh und dankbar, diese Maßnahme vom Polizeihilfsfonds erhalten zu haben, und hoffe, dass ich da viel Kraft bekomme, die mir zurzeit noch fehlt“, sagte Silke Anders und kann sogar wieder lächeln. Zur Freude auch von Andreas Breitner, Wolfgang Pistol und Karl-Hermann Rehr: „Wir hoffen, damit einen Beitrag zu leisten, dass Ihre seelischen Wunden wieder verheilen können“, ermutigt der ehemalige Innenminister die leidgeprüfte Polizistin. Schon vor dem Termin hatte Andreas Breitner den Freispruch der Angeklagten öffentlich kritisiert.

Der HUPF speise sich in erster Linie aus Spenden der Bevölkerung, gibt der Ehrenvorsitzende Wolfgang Pistol zu bedenken und wendet sich an Silke Anders: „Insofern ist die Zuwendung de facto eine Spende aus der Bevölkerung an Sie“, so der ehemalige Landespolizeidirektor.

Text/Fotos: Thomas Gründemann

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