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Zwei Kieler Polizeibeamte erhielten vom Polizeihilfs- und Unterstützungsfonds Reisen als Kur- und Betreuungsmaßnahmen

KIEL/tgr – Freude bei zwei Kieler Polizisten: Die beiden Beamten sind mit Zuwendungen des Hilfs- und Unterstützungsfonds der Polizei bedacht worden. Der Vorsitzende Andreas Breitner und Schatzmeister Karl-Hermann Rehr vom karitativen Verein überreichten der Kriminalbeamtin Klara W. und dem Schutzpolizisten Kristof E. auf dem 4. Polizeirevier Kiel-Gaarden Reiseunterlagen für jeweils eine einwöchige Kur- und Betreuungsmaßnahme. Die beiden Beamten waren im November 2024 und im September vergangenen Jahres bei Einsätzen schwer verletzt worden.

Die Vorgeschichten:

Eine lebensbedrohliche Schussverletzung erlitt Klara W. am 17. November 2024 unmittelbar vor ihrer Kieler Dienststelle. Es war ein Sonntagmorgen, als es an der Tür der Dienststelle klingelte. „Vor der Tür stand ein Mann und sagte, er würde jetzt sich oder andere Leute umbringen wollen. Er war mit zwei Messern bewaffnet“, berichtet die Beamtin den Vertretern des Polizeihilfsfonds.

Gemeinsam mit weiteren Kollegen sei sie auf die Straße gegangen. „Wir haben wir versucht, die Person zu beruhigen und wollten wissen, was das Problem oder sein Anliegen ist“, so Klara W. Sie hätten den Mann mit ihren Worten jedoch nicht erreicht. „Der war wirklich komplett in seiner eigenen Welt und hat dann auch relativ schnell im Gespräch zwei Messer gezogen. Das hat mich dazu veranlasst, meine Schusswaffe zu ziehen, auch weil ich in direkter Linie zu ihm stand. Ich habe ihm mehrfach den Schusswaffengebrauch angedroht und aufgefordert, die Messer wegzulegen“. Es habe seinerseits jedoch keine Reaktion gegeben. Im Gegenteil: Er habe Anlauf genommen und sei auf sie zugelaufen. „Ich habe dann mehrfach auf ihn geschossen und ihn relativ schwer am Fuß verletzt“, erinnert sich Klara W. Aber auch das und weitere Schüsse von anderen Beamten hätten ihn nicht davon abgehalten, weiter auf sie zuzulaufen. Im weiteren Verlauf sei es weiteren Beamten dann gelungen, den Mann unter Kontrolle zu bringen und festzunehmen. Noch auf dem

Boden liegend, habe sie Schmerzen im Bein verspürt und angenommen, dass der Mann sie mit dem Messer verletzt habe.

Geistesgegenwärtig hätten die anwesenden Kollegen auf ihre stark blutende Verletzung reagiert und mit einem Tourniquet, mit dem Polizistinnen und Polizisten seit geraumer Zeit persönlich ausgestattet sind, das verletzte Bein abgebunden.

Im Rettungstransportwagen sei jedoch festgestellt worden, dass es keine Stich- oder Schnitt- sondern eine Schussverletzung war, die sie erlitten hatte.

Offenbar war sie während der eskalierenden Situation mit dem aggressiven Angreifer vom Schuss einer Kollegin als Querschläger getroffen worden. Dabei sei die Hauptarterie ihres Beines nur wenige Millimeter verfehlt worden, berichtete Klara W. „Im Krankenhaus bin ich notoperiert worden. Und ein paar Tage später folgte noch eine Operation und zuletzt eine dritte Mitte im Februar. Über ein Jahr lang war Klara W. gar nicht beziehungsweise nur eingeschränkt dienstfähig. Nach den Operationen waren noch langwierige Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich. Die 31-jährige Beamtin erhielt aus den Händen Andreas Breitners für sich und ihren Partner den Gutschein für einen achttägigen Aufenthalt auf der Insel Rügen.

Über vier Monate war auch Kristof E. dienstunfähig. Eine Fraktur des Mittelhandknochens, die eine Operation notwendig machte, hatte sich der 36-Jährige bei einem Einsatz in einer Kieler Wohnungsloseneinrichtung für Männer zugezogen.

E. macht Streifen- und Revierdienst beim Polizeirevier Kiel-Gaarden. Am 14. September vergangenen Jahres wurde der Hauptmeister gegen 22 Uhr mit einem Kollegen zu einem Einsatz in die Wohnungsloseneinrichtung beordert, weil sich dort eine randalierende Person aufhalten sollte. „Als wir dort angekommen sind, empfing uns der Sicherheitsdienst, Wir erhielten die Information, dass eine Person durchgedreht sei und bereits eine Scheibe im Eingangsbereich eingeschlagen habe“, schilderte Kristof E. Wie der Sicherheitsdienst weiter mitgeteilt habe, befinde sich der Randalierer „auf Drogen“ und solle ein Messer in der Hand halten. Aufgrund der Schilderungen des Sicherheitsdienstes seien von der Streifenwagenbesatzung zusätzliche Beamte angefordert worden, so der Polizeihauptmeister. „Vor der Hauseingangstür haben wir überall Blut gesehen. Den Mann haben wir dann am

Fenster entdeckt. Der Oberkörper war frei und auch Blut verschmiert. Auf unsere Ansprache hat er nicht reagiert“, schilderte Kristof E. Bei einer Personenanfrage sei herausgekommen, dass der Randalierer als „gewaltsuchend“ eingestuft war. „Gewaltbereit kennen wir ja aus unserem Alltag, aber gewaltsuchend als Zusatzvermerk war uns neu und löste Impulse aus“, so der Schutzpolizist. Mit dem Diensthund und weiteren Beamten habe man sich dem Zimmer des renitenten Mannes genähert. „Wir hatten zwar einen Schlüssel bekommen, haben aber vorher an die Zimmertür des Mannes geklopft, aber er hat natürlich nicht aufgemacht. Und dann sind wir rein. Da lag er auf dem Bett, war völlig außer sich und bewegte sich hin und her“, berichtet Kristof E. aus seinen Erinnerungen. Als der hochaggressive und unberechenbare Mann plötzlich aus dem Bett hochgekommen sei und sich bedrohlich auf die Polizeikräfte zubewegt habe, hätten die Beamten Pfefferspray eingesetzt. Aber selbst das habe bei dem offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand befindlichen Randalierer keinerlei Wirkung gezeigt. Als die Beamten ihn körperlich fixieren wollten, leistete der Mann erheblichen Widerstand, schlug und trat auf die Einsatzkräfte ein. Am Ende des Gerangels gelang es Kristof E. und den anderen Einsatzkräften, die Person festzunehmen und ihr Handfesseln anzulegen. „Während der Fesselung habe ich gemerkt, dass meine Hand schmerzt. Und dann habe ich mir den Handschuh ausgezogen und gesehen, dass meine Hand gebrochen war“, berichtet der Vater zweier Kleinkinder. Wie sich später herausstellen sollte, hatte E. eine Fraktur des Mittelhandknochens erlitten, die schließlich durch eine Operation behandelt werden musste. Der 37-jährige Beamte war danach vier Monate dienstunfähig. Er erhielt nun vom Hilfs- und Unterstützungsfonds für sich und seine Familie einen 8-tägigen Aufenthalt auf der Insel Usedom.

„Sie haben Schlimmes erlebt und erlitten. Wir hoffen, dass Sie nach dem Erlebten mit dem einwöchigen Kur- und Betreuungsaufenthalt auf Rügen und Usedom nun auf andere Gedanken kommen. Die Zuwendung ist als ein wichtiges Zeichen gesellschaftlicher Solidarität zu verstehen“, sagte Andreas Breitner bei der Übergabe der Zuwendung.

Der vor 25 Jahren auf Initiative der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gegründete Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not e.V. ist eine gemeinnützige Einrichtung, die sich im Dienst schwer verletzten oder gar getöteten Polizeibeamten bzw. deren Angehörigen und Familien in ihrer schwierigen Situation annimmt und mit einer Zuwendung bedenkt. Seit Bestehen hat der Fonds in über 380 Fällen Polizeibeamtinnen und -beamten Unterstützungen durch Zuwendungen geleistet und dabei über 400.000 Euro ausgekehrt.

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